Beschreibung der kaiserlichen Stammburg Hohenzollern – I

 

 

Hoch ragt über die Grabhügelkette der schwäbischen Alb der Söller der Gebirge  “der Hohenzoller” hervor. Auf seinem steilen Gipfel stand schon vor mehr als 900 Jahren ein festes Schloß. Die Kegelform des Berges bedingte die Anlage desselben. Der Raum den die Burggebäude bedeckten, hatte fast wie die gegenwärtige Burg 220 Schritte Länge und 120 Schritte Breite.

landesarchiv-bw.de
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Am wenigsten Steil war der Zugang von Südosten, und dort ist auch der Eingang der weit kleineren, aber viel festeren, ältesten Burg zu suchen. Wer dem vielbesprochenen, zu Donaueschingen aufbewahrten Zeitbuche des Grafen Werner von Zimmern (1566) Glauben schenkt und in dem St. Michaelsburgkirchlein ein Bauwerk erkennen will, dessen Grundfesten schon im Jahre 794, früher als die Burg selbst, bestanden hätten, der wird einen willkommenen Anlaß darin finden, wenn wir die Ansicht aussprechen, daß die Stelle, auf welcher das Kirchlein erbaut wurde, der höchste Punkt des Felskegels gewesen sei.

Die Spitze des Zollerbergs, wo der Fels zutage lag, kann in der Tat nirgends anders als an der Südseite des schmalen Bergrückens gesucht werden. Die unter dem Kirchlein gelegene, vor Erbauung des Frauenklosters Stetten angeblich als Erbbegräbnis der Zollerngrafen dienende Krypta ist größtenteils in den Fels gesprengt. Westlich vom Kirchlein, in der Mitte des gegenwärtigen Burghofs, da, wo einst die Königslinde stand, erhob sich ehedem der Hauptturm der Feste, ein mächtiges Bauwerk von quadratischer Form, das nach der stärke seiner Mauern zu schließen, eine sehr beträchtliche Höhe gehabt haben muß. Von einem solchen Turm, wie er noch auf der römischen Burg bei Baden erhalten ist, hing gemeiniglich der Besitz der ganzen Feste ab.

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Die Ringmauer, die sich an der Südwand des Kirchleins anlehnte und den Hauptturm einschloß, hat offenbar, dem Rande der sehr schmalen Bergplatte folgend, eine Ellipse gebildet. Auf der Ostseite war dieselbe nach den aufgefundenen Mauerresten durch rund drei runde Türme verteidigt, von denen zwei, die im Inneren rund 6 Meter gehabt haben, durch einen gradlinigen Wehrgang verbunden gewesen sind und mit diesem in der Richtung von Norden nach Süden einen  (wiederum dem Terrain angemessenen) etwa  10 Meter niedriger als der Burghof gelegene Abschnitt (Propugnatulum) gebildet haben, während der dritte von ungleich kleinerer Ausdehnung,  am östlichen Punkt der Rundung gelegen war und den Eingang zum Vorhofe verteidigte.

10toptest.de
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Mitten im alten Burghof zwischen Wehrgang und dem Hauptturm wurden die Grundsteine eines vierten runden Turmes entdeckt, dessen innerer Durchmesser 4 Meter betrug, und dessen 9 1/2 Meter unter den Burghof reichende Untermauerung  auf den sehr soliden ausgeführten Brunnen der ältesten Burg hinweist. Wahrscheinlich war die Ringmauer noch an zwei Stellen von runden Türmen besetzt, an der Nordseite und an der Westseite.  Gestützt wird diese Ansicht durch den Burgfrieden zu Hohenzollern, der am 23. Februar 1402, einundzwanzig Jahre vor der Zerstörung der ältesten Burg, von den Brüdern Graf Friedrich dem Öttinger und Graf Eitelfriedrich I. und ihren Vettern, dem Schwarzgrafen und dem Grafen Ostertag abgeschloßen wurde. (Monumenta Zollerana) Die 4 Grafen hielten zu Zollre in der Veste auf ihre Kosten vier gemeinschaftliche stetige Wächter und zwei gemeinschaftliche Torhüter; die Kapelle, den Brunnen, den Vorhof und das Torhaus hatten sie auf gemeinsame Kosten zu bauen und jeder seinen Teil an der Ringmauer machen zu lassen, daß man darauf wohl gehen und wandeln möge, ungefährlich.

 

 

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