Beschreibung der kaiserlichen Stammburg Hohenzollern – II

 

 

Wer den Zollerberg erstiegen hat, tritt durch das Adlertor in den Rampenturm, der den Aufgang zur oberen Burg verteidigt. Der Rampenturm ist ein neueres Bauwerk, angelegt bei der Wiederbefestigung der Burg im Jahre 1850 durch General v. Prittwitz, früher Baumeister der Festung Ulm, der Architekten Stüler und Persius Die Bauleitung hatte Hauptmann Blankenburg. Der Rampenturm lehnt sich an die äußere Umfassung der Burg, an die Festungswerke, die größtenteils dem 17. Jahrhundert ihren Ursprung verdanken. Hoch über dem Adlertor schwebt der Königsadler mit dem Zollernschild auf der Brust, begleitet von dem Wahlspruch des königlichen Hausordens von Hohenzollern:

Vom Fels zum Meer

Als Füllung des Spitzbogens über dem Südeingang dient ein Bildwerk Kurfürst I. zu Roß darstellend, ein Denkmal, das nach seinem noch erhaltenem Reitersiegel angefertigt worden ist. Eine Inschrift, entsprechend der Angabe jenes Siegels, meldet Namen und Titel, und beigefügt steht das Datum:

Regnate de Anno 1415, usque ad annum 1440

Unmittelbar unter dem Reiterbild wird von dem burggräflich nürnbergischen Löwen und dem hohenzollerischen Bracken ein Spruchband emporgehalten, worauf eingehauen steht:

Zollern, Nürnberg, Brandenburg im Bund
Bauen die Burg auf festem Grund
1415
Mich baut Preußens starke Hand,
Adlertor bin ich genannt
1454

In der Halle des Eingangs sind zwei Gedenktafeln eingemauert, die Grundsteinlegung von 1850/51 betreffend   Die Inschriften derselben lauten:

König Friedrich Wilhelm IV. am 23.August 1851

und

Nachdem seine königliche Majestät von Preußen, Friedrich Wilhelm IV. die Wiederherstellung der Burg Hohenzollern Allergnädigst zu befehlen geruht hatten, wurde dazu am 23.September 1850 in Gegenwart Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen von Preußen der Grundstein gelegt. Am 23. August 1851 nahmen Seine Königliche Majestät hierselbst die Huldigung der Hohenzollerischen Lande entgegen und im Jahr 1858 wurde der Bau der Burg vollendet

Der Grundstein der am 23. September 1850 gelegt wurde, befindet sich unter dem zum Rampenturm gehörenden Wilhelmsturm.

Vom Adlertor aus windet sich der Weg, um auf beschränktem Raum die 23 Meter betragende Höhe des Burgfelsens zu ersteigen, viermal bis zum Ausgangspunkt zurück, so daß man zuerst durch jedes der unteren Tore und dann darüber hinweg, schließlich aber durch den langen Tunnel fährt, ehe man wieder die offene Straße gewinnt, die zum obersten Burgtor führt. Durch diese Windungen werden drei Höfe mit Gärtchen und Zisternen eingeschlossen, deren unterer Hof den umgebenden Kassenmatten, die oberen aber dem Tunnel Licht geben. Der Schlußstein des Deckengewölbes im dritten Tore trägt die Inschrift:

Karl Anton, Fürst zu Hohenzollern-Sigmaringen; den 14.Oktober 1852

 

mariaz

Über dem Tor des Tunnels ist eine zierliche Balustrade angebracht, während auf den Eckpfeilern zwei Steinfiguren, mit Lanzen bewaffnete Torhüter in der Tracht des 15. Jahrhunderts; aufgestellt sind.
Man überschaut, nachdem man den Tunnel verlassen hat, die schönen bewaldeten Berge der Rauhen Alb, deren nächster , das Zellerhorn, nur etwa 1300 Meter in horizontaler Richtung entfernt ist, und den Zollerberg um 59 Meter überragt. Dazwischen liegt auf halber Höhe die Kirche Maria Zell mit dem Friedhof.von Boll.
Auf entgegengesetzter Seite, der Burg zugewendet, sieht man über den eingeschnittenen Rampenhof mit zierlich durchbrochener, begrünter Wendeltreppe und einem Wasserbecken inmitten des kleinen Kronprinzengartens, links die alte St. Michaelskirche und den anstoßenden Schloßflügel, rechts den alten Burgtorturm und die neue evangelische Kapelle, hinter derselben das Wehrhaus, den Grafensaal und den Wartturm, die hohe Zinnenmauer des oberen Burghofes überragen.
Der obere Burgtorturm, durch den man zum eigentlichen Burgbau gelangt, ist auf dem Grund des alten neu errichtet; über dem Eingang ist ein Steindenkmal eingemauert, den Zollerschild mit dem seitdem 14. Jahrhundert von den Grafen von Zollern gleichzeitig wie von den Burggrafen von Nürnberg angenommenen Helm mit dem Brackenkopfe darstellend.
Wenn man aus diesem Turm längs des zum Burggarten eingegrenzten Raumes nach dem Burghof schreitet, betritt man den Weg, der früher mit Holz belegt war und den Namen der Rost trug. Am Ende dieses Holzbelegten Weges lag einst ein Tor, das das zweite überm Rost oder das innere Hoftor genannt wurde. An derselben Stelle stieß der sogenannte alte Bau, das spätere Zeughaus (später die Kaserne oder Wehrhaus) an. Die zum Teil noch jetzt erhaltenen Kassenmatten führen unter dem Zeughaus hin. Sie bedürften aber kein höheres Alter in Anspruch nehmen, als zwei aus diesen Kassemattengewölben herausgenommene, und am Wehrhaus eingemauerte Steine mit den Inschriften:

Eitelfritz 1523 und Eitelfritz 1524

Den Weg zur oberste Ebene des Burghofes verfolgend, hat man zur linken den im Fels etwas vertieften Burggarten mit einem Brunnen in der Terrassenmauer, der die Bronzestatue des verewigten Burgherren und Urhebers des Wiederaufbaues seines Stammhauses, des Königs Friedrich Wilhelm IV. trägt. Zur Rechten ist der durch eine Mauer dem Blick entzogene Ökonomiehof des Wehrhauses angelegt; weiter fortschreitend trifft man  den Eingang zur evangelischen Kapelle unter einer kleinen Halle und gelangt sodann zur Tür des Wehrhauses, der zwei Türme zur Seite stehen. In der Eingangshalle ist die Inschrift angebracht:

Adlers Horst auf Berges Kron` Zollerns Stamm auf Preußens Thron

preussenchronik.de
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Hinter dem Wehrhaus (einst stand gegenüber die alte Königslinde, unter der König Friedrich Wilhelm IV. die Erbhuldigung (siehe Chronik) der Zollrischen Lande entgegen nahm) lädt eine hohe, bedeckte Freitreppe mit dem Standbild des Grafen Jos Niclas von Hohenzollern, der den zweiten Burgbau im 15. Jahrhundert unternahm, zum Besuch der inneren Räume ein, die sich über das Erdgeschoß erheben. Nun geht man vom Fuße der Freitreppe, unter der der Eingang zu Dienerhalle und Hofküche angelegt ist, an die Eingangstür des Wart,- oder Treppenturms. Darin führt eine Wendeltreppe durch alle Stockwerke des Schlosses und mündet auf eine Plattform, von der man eine überraschend schöne Aussicht genießt. ()Neben dem Wartturm war der Eingang zu der Wohnung des Burgkastellans, und im Wartturm der Eingang zu den Fürstengemächern.
Von der eben beschriebenen Nord -und Westseite der Burggebäude wenden wir uns zu dem damit verbundenen südlichen Flügel und kommen an den zu den Kassematten hinabführenden Eingang. Unmittelbar hinter diesem Eingang tritt ein mächtiger Turm aus der Mauerfront hervor, an dessen Giebelfeld der preußische Königsadler mit sämtlichen Profinzschildern angebracht ist. Eine Tür in demselben leitet zu der katholischen Michaelskapelle, die der Abschluß dieses Flügels bildet. Der eben erwähnte Eingang zur Kapelle ist von einem zierlichen Erker überragt, mit ganz besonderem Schmuck bereichert, nämlich die in Stein gehauenen Porträts und Wappen der der hohen Bauherrn: Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, König Wilhelm, nachmaliger Kaiser Wilhelm der Große, Friedrich Wilhelm Konstantin von Hohenzollern-Hechingen und Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen.

Gegen Süden und Südwesten heben sich von der äußeren Umfassungsmauer des eigentlichen Burgbaus drei gewaltige, in ihrer Grundform runde Türme ab. Die Burg ist, mit alleiniger Ausnahme der evangelischen Kapelle, nach Maßgabe des Grundrisses der älteren, im Jahre 1822-23 größtenteils abgetragenen Burg wieder erbaut.

Die ursprüngliche Gestalt der Burg Hohenzollern wurde bereits am Anfang geschildert. Nachdem das älteste Schloß zerstört worden ist (1423), wurde die Wiedererbauung durch die feindlichen Reichsstädte sehr erschwert und gewalttätig verhindert, und eine Überlieferung erzählt, daß in Gegenwart des Erzherzogs Albrecht von Österreich, der Markgrafen Albrecht von Brandenburg und Kael von Baden und des Grafen von Fürstenberg mit großem Gepränge der neue Grundstein gelegt worden ist, und daß diese Herren hierdurch dem befreundeten Hause Hohenzollern ein öffentliches Zeichen ihres Schutzes angedeihen lassen wollten. Man trug den Mörtel in einer silbernen Mulde, und auch die Hämmer, Kellen und anderes Werkzeug waren aus Silber. Der Kaiser, der bis dahin den Wiederaufbau untersagt hatte, gab jetzt seine Einwilligung dazu.
Vergleicht man den in Stillfrieds Altertümern, nach einer im Archiv zu Donaueschingen befindliche Zeichnung, abgebildeten Grundriß von 1692 mit dem damaligen Neubau, so kann man sich überzeugen, mit welcher Pietät den alten Grundformen gefolgt wurde, weshalb denn auch die geschichtlich gewordenen Einzelteile der Burg unter Ihrem vielhundertjährigen Namen erhalten worden sind; So haben wir auf der Südfront den MICHAELSTURM, an der südwestlichen Ecke vorspringend den MARKGRAFENTURM, gegen Westen den BISCHOFSTURM und gegen Nordwesten den KAISERTURM.

Wir gehen jetzt über die Freitreppe zu dem oberen Geschoß der Burg, zu den königlichen und fürstlichen Pracht,-und Wohngemächern. Zuerst betritt man eine hohe Halle, die Stammbaumhalle, deren Holzdecke durch ein Sprengwerk in Spitzbogenform getragen wird. Den Dries unter dem Hauptgesims schmücken die einzelnen Schilde des preußischen Wappens, eine Inschrift besagt:

Die Schilde künden Jahr und Namen
Da Land und Leut an Zollern kamen

Statuen erlauchten Vorfahren schmücken die Fensternischen, es sind die Nachbildungen der  Bildsäulen des Sarkophages vom Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg in der Münsterkirche zu Heilsbronn bei Ansbach, und stellen folgende Personen dar:

1. Johann II. Burggraf von Nürnberg, ältester Sohn Friedrich IV. gest. 1357
2. Berthold, Bischof von Eichstädt, Kanzler Kaiser Ludwigs des Bayern, Sohn Friedrichs IV. Burggrafen zu       Nürnberg, gest. 1365
3. Albrecht der Schöne, der 3. Sohn desselben Burggrafen, gest. 1361
4. Friedrich, Bischof zu Regensburg, Sohn Friedrich IV. gest. 1364
5. Burggraf Friedrich V., Sohn Johannes II., gest. 1398
6. Johann III., ältester Sohn Friedrichs V., letzter Burggraf von Nürnberg, Bruder des ersten Kurfürsten von     Brandenburg, gest. 1420
7. Margaretha, Gemalin Hohann III. von Nürnberg, Tochter Kaiser Karls IV, gest. 1410
8. Beatrix, Burggraf Friedrichs V. Tochter, Gemahlin Herzog Albrechts III. von Österreich,   gest. 1414

Zur linken des großen Fensters, das diesen Raum erleuchtet, führt eine durchbrochene Wendeltreppe zu den oberen Geschossen des Kaiserturm, worin sich die Wohnungen des Gefolges befanden; zur Rechten ist ein kleines zierliches Gemach mit Fenstersitz, woraus man einen wunderbaren Blick nach dem Dreifürstenstein hat.
Die Die Wandflächen sind über einer 2,3 Meter hohen Holztäfelung mit fortlaufender Bank mit verschiedenen Stammbäumen nach des Grafen Stillfrieds Angaben bemalt, zwischen deren Ranken und Wappenschildern verschiedene Spruchbänder mit erklärenden Versen erscheinen. Neben der Eingangstür stehen, von einer Engelsgestalt getragen, die Verse:

Gesegnet sei der Eingang Allen
Die nach dem Hohenzoller wallen,
Hinabzuschaun von steiler Felsenwand
Aufs hochgelobte schöne Schwabenland.
Und dient zum Ausgang diese Tür,
Allweg gut Zollre für und für!

Über der Tür ist ein Gedenkstein zur Erinnerung an den Besuch Kaiser Wilhelm II. auf der Burg am 9. November 1893 eingelassen. Nach Entwürfen des Prof. Doppler wurde er von Bildhauer Ruff in Hechingen in Stein gehauen.  Über dem Kamin der Stammbaumhalle hängt das Kriegswahrzeichen der alten Grafschaft Zollern, der Zollernschild, der anläßlich des Huldigungszuges der Einwohner des Kreises Hechingen zur Burg am 24. Oktober 1915, aus Anlaß des 500-jährigen Jahrestages der Belehnung des Kurfürsten Friedrich mit der Mark Brandenburg, genagelt worden ist, mit dem Spruchband:

Allweg gut Zollern für und für,
In ernster Zeit treu sind wir dir.

An den Wänden befindet sich eine genealogische Tafel, worauf die verschiedenen vom Zollernstamme abgezweigten Linien dargestellt sind, darunter die erklärenden Verse:

Da Kurfürst Friedrich lobesam
Von Zollre seinen Ursprung nahm,
Sind Preußen`s Kön`ge ruhmbekannt
Den Zollerfürsten stammverwandt.

Auf der Wand zur Rechten des Eingangs über dem dort angebrachten Kamin beschreibt eine genealogische Tafel die vom Hohenstaufischen Geschlecht ausgehende Blutsverwandschaft der erlauchten Herren, die beim Wiederaufbau der Burg im Jahre 1454 Schutz und Hilfe gewährten. Von einem Adler getragen, ist daneben folgende Inschrift gemalt:

Ein Ring mit seinem spitzen Dorn,
C C C C
Vier Rosseseisen auserkor`n
X X X I I I
Zwei Kreuz` und und dreier Nägel Zahl
Gebrochen Zolre überall.
Doch ein und dreißig Jahr darauf
Da baut man Zolre wieder auf;
MCCCCIV.
Vom Kaiser, Oestreich und Burgund,
Von Brandenburg und Baden
Ward feierlich gelegt der Grund,
Wer wagt`s dem Bau zu schaden.
Nur silbern Werkzeug brauchte man,
Der Herren Name stand daran,
Und allen in den Adern gut,
Wallt Hohenstaufisch Heldenblut.
Erblühe Zolre, wehrlich Haus,
Es flieg` dein Banner weit hinaus,
Das weiß und schwarze wohlbekannt
All um und um im Schwabenland.

Auf der gegenüberstehenden Wand, links vom Eingang, befindet sich ein Gemälde, das die Doppelverwandschaft des Brandenburgischen Zollerischen Hauses darstellt. Die erklärenden Verse lauten:

Auf dieser Tafel sind zu schau`n,
Die Herren, die Zolre wieder bau`n.
MDCCCIV
Die vielversippt und stammverwandt
Umschlungen noch ein enger Band,
Als Kurfürst Friedrichs Enkelein
hät Eitelfritz von Zolre frei`n.
MCCCCLXXXIII
Aus welcher Eh` von Kind zu Kind
Die Zollerfürsten kommen sind.

Über der reich ausgebildeten Tür zum Grafensaal ist im Bogenfeld das Bildnis des Grafen Eitelfriedrich II., der dem vom Vater, dem Grafen Jos Niclas, begonnene Bau aufs eifrigste fortsetzte, in Freskomalerei dargestellt.
Der Grafensaal ist auf rötlichen Marmosäulen mit vergoldeten Kapitälen überwölbt. Auf tiefgelben Grunde breitet sich reiches, vergoldetes Rankwerk mit farbigen Blumen über die Gewölbekappen zwischen vergoldeten Rippen aus. Die Fenster gewähren in ihren unteren Teilen durch große Spiegelscheiben den Blick in die reiche, hügelige Ebene des Zollernlandes und Würtemberg, während die oberen Teile mit Crisallen (Grauwerk) und farbiger Malerei aus der Glasfabrik des Dr.H.Didtmann zu Linnich bei Aachen ausgesetzt sind. Die Wände, unterhalb in Eichenholz getäfelt, sind oberhalb in gelblichem Steinton mit Quaderfugen bemalt, und mit Fahnen, Waffen und Rüstungen geschmückt. Die reichgeschmückten Türen sind vergoldet, der Fußboden ist mit Solenhofer Platten zwischen Marmorfriesen belegt. Am ersten der beiden Kamine befinden sich in Fresko die Porträts des Grafen Eitelfriedrich III. gest. 1525 vor Pavia, und Karl, gest. 1576. Am zweiten Kamin die Porträts der Kurfürsten Friedrich I., gest. 1440, und Albrecht Achill, gest. 1486.

Nach dem Grafensaal öffnet sich rechts vom Eingang die im Kaiserturm gelegene  Kaiserhalle. An jedem Fensterpfeiler ist unter gotischem Baldachin das bemalte Standbild eines der Kaiser, die dem zollerischen Hause zugeneigt waren oder von ihm wesentliche Dienste empfingen, errichtet, um so in dankbarer Erinnerung an Kaiser Friedrich III. , der bei seinem Besuch auf der Burg im Jahre 1464 den Grundstein zu diesem Turm gelegt hat, einen würdigen Ausdruck zu geben, wie denn auch das Wappen des Kaiser auserhalb am Turm angebracht ist, und die Spitze des Turms den kaiserlichen Adler trägt.
Die Kaiserbilder, die die Kaiserhalle enhält, sind folgende: Heinrich V., Friedrich I. (Barbarossa),  Friedrich II.,  Rudolph I. (von Habsburg),  Ludwig der Bayer, Karl der IV. (von Luxemburg), Sigismund und Friedrich III. In Medaillions angebracht sind noch die Kaiser Maximilian I., Karl V., Wilhelm I.,  und Friedrich III.

Am entgegengesetzten Ende des Grafensaales öffnet sich nach demselben in gleicher Weise der Bischofsturm, zu dem Friedrich, Graf von Zollern, Bischof von Augsburg, im Jahre 1488 den Grund gelegt hat. Darin sind zwei Statuen angebracht, die des eben erwähnten Bischofs, gest. 1505,  und die des Kardinals Albrecht von Brandenburg, Erzbischofs von Mainz, gest. 1545.

Wandbilder der mit hervorragenden geistlichen Würden bekleideten hohenzollerischen Herren fränkischer und schwäbischer Linie schmücken das Spitzbogengewölbe des Turmes, der auch äuserlich an seinen Gründer durch das unter seinen Zinnen angefügte Bischofswappen erinnert.   In der Form weicht das Gemach im Bischofsturm von der Kaiserhalle wesentlich ab; diese hat zu Grundform ein Polygon, jener ein Rechteck. Da der Bischofsturm in seinen unteren Geschoßen kreisförmig aufsteigt, so hat man einen Söller zum Austritt ins Freie gewinnen können. Dieser bietet die beste Aussicht nach dem Schwarzwald und nach den Balinger Bergen und zum Lochen.
Aus dem Grafensaal gelangt man in eine Galerie, die wegen der darin aufgestellten Bücherschränke die Bibliothek heißt. Dieser Raum bot geeignete Wandfächen, um einen Zyklus von Bildern aus der Sage und Geschichte darzustellen, welcher Aufgabe sich der Geschichtsmaler Peters aus Berlin mit sehr viel Eifer, als auch Glück unterzog.
Erklärende Unterschriften geben die Motive der farbenreichen Darstellungen genauer an. Wir finden folgendes:

Die Strafe des Frevlers am heiligen Kreuz bei Stetten.
Mariazell unter dem Zollerberg wird von Engeln gegründet.
Die treue Maid aus der Steinlach schlägt sich durch den Troß der Belagerer, 1423.
Jos Niclas legt den Grundstein zum Neubau der Burg im Kreis seiner Freunde.
Kaiser Friedrich III. und Eleonore von Portugal auf Zollern 1466.
Albrecht Achill demütigt die Reichsstädte 1453.
Eitelfriedrich II. und Magdalena von Brandenburg 1482.

Nahe dem übrigen Pfeilern ist eine Chronik zusammengestellt, die auf einer extra Seite zusammengefasst ist, und auf der auch weitere Episoden ab 1862, die nicht in der Bibliothek aufgemalt sind, zusammengefasst sind.:
Aus der Bibliothek gibt es einen doppelten Ausgang; die eine Tür zur Rechten führte nach den Gemächern seiner Majestät des Königs, die andere zur Linken nach denen Ihrer Majestät der Königin. Auser dem eben beschriebenem Wege durch die Säle führt zu den Wohnungen der Herrschaften, eine zierliche, von Säulen getragene Wendeltreppe im Wartturm und eine Nebentreppe. Der Schlußstein der Fensterwölbung zum Schlafzimmer Ihrer Majestät der Königin, trägt die Inschrift:

Karl, Prinz von Preußen; den 20. Juli a. d. 1855.

Das Wohnzimmer des Königs, das Königszimmer, liegt im zehneckigen Markgrafenturm, dessen Namen im Äuseren durch sein Wappen bezeichnet ist. Im Inneren befindet sich, und zwar als Relief am Kamin angebracht, das Brustbild König Friedrichs des Großen, mit wallendem Haar, eine Strahlenkrone auf dem Haupt.  Wände und Decke sind in Eichenholz getäfert, die Rippen der letzteren gehen von Schilden tragenden Figuren aus, und während erstere die Wappen der Provinzen darstellen, sind letztere in die entsprechenden Farben gekleidet. Dem Königszimmer schließt sich das Schlafzimmer und der Raum für den Kammerdiener des Königs an, während die Vorsäle zum Aufenthalt für das diensttuende Hofpersonal bestimmt waren.  Von der Bibliothek aus, links gewendet, gelangt man ebenfalls zu jenen Vorgemächern und durch diese durchs Vor-und Empfangszimmer in den großen, mit zwei Erkern versehenen Salon Ihrer Majestät der Kaiserin. Dieses Gemach ist ist tapetenartig gelb mit vergoldeten Ornamenten gemalt, ein breites Fries ist in Fresko mit den Porträts der Ahnenfrauen des Brandenburgischen Kurhauses geschmückt. Es liegt im Michaelsturm, und über dem Erker auf der Südseite, im hohen Giebel des Turms, schwebte das Kollosal-Erzbild des Erzengels Michael, des Beschützers der Burg, des Heiligen der angrenzenden Kapelle.
Der verewigte Stüler, der erste Architekt Kaiser Wilhelms I., der hier baute, hat in seiner Beschreibung der inneren Burgräume, der wir hier zum Teil gefolgt sind, folgende treffende Bemerkung gemacht:

Es schien in der Bestimmung der Zimmer und im Sinne mittelalterlicher Auffassung zu liegen, der Ausschmückung (der Wohnung der Königin) mehr die Haltung häuslicher Gemütlichkeit bei angemessenem Reichtum, als repräsentativer Pracht zu geben; daher wurde im Bilderfries des Empfangszimmers die Darstellung weiblicher Tugenden durch Figuren auf Goldgrund in nischenartiger Umrahmung gewählt, wogegen im Wohnzimmer (Salon) Darstellungen aus dem religiösen Gebiet (und die Bilder tugendreicher Ahnfrauen) in Skulptur und Malerei mit der Architektur des Kamins und der Erker verbunden wurden.

An den Salon schließt sich Schlafzimmer Iher Majestät und der Raum für die Kammerfrauen an. Die fürstliche Wohnung ist über der königlichen derart angeordnet, daß über der Bibliothek die Zimmer des Fürsten, und in und neben dem Markgrafenturm die der Fürstin sich befinden.

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